About
Wargaming the Seven Years War with 40mm miniatures, done by: Johann-Peter Scheck and Anselm Scheck
Sunday, November 14, 2010
Wednesday, October 27, 2010
New Matthias-Manske Tambours placed
Completing our four armies Saxony, Prussia, Russia and France, all the regiments will be rebased on small platforms of 4-5 x 7,2-8cm for each time 4 soldiers. The composition demands the completion of a perfect order and I looked for good tambours. They were quickly found at Matthias Manske figures, all in 40mm, but with different heads.
Matthias Manske does - as everytime - a fantastic work and it was a pleasure to paint his figures.
Now, our old regiments of NMZ and Prince August are renovated, rebased and completed by the fine art of Manske figures. Just enjoy the pictures:
Matthias Manske does - as everytime - a fantastic work and it was a pleasure to paint his figures.
Now, our old regiments of NMZ and Prince August are renovated, rebased and completed by the fine art of Manske figures. Just enjoy the pictures:
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| Prussian 34. regiment: a mix of PA (lieutenant), NMZ (flags) and Manske (drummer) |
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| Drummer of prussian´s 1st regiment with wounded head... |
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| Russian Grenadiers with "Barabantshik" |
Trip to the locations of the SYW, summer 2010 (part5): Kunersdorf
Kunersdorf war unsere letzte Station auf der Reise quer durch die Schlachtfelder des Siebenjährigen Krieges.
Die Seite: www.kunowice1759.pl zeigt viel und gute Informationen zum Ort und zum Geschehen.
Trip to the locations of the SYW, summer 2010 (part4): Zorndorf
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| Blick nach Südwesten zum Waldrand, in welchem die Seydlitz-Kürassiere im Waldstück lauerten.Panoramaphoto vom Juni 2010. |
Wednesday, August 11, 2010
Trip to the locations of the SYW, summer 2010 (part3): Leuthen
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| Blick von Süden auf die Schlacht. Mitte rechts: Leuthen |
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| Abends auf dem Weg nach Leuthen: Im Hintergrund ist schon die Kirche von Leuthen zu sehen |
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| Die Kirchmauer von Leuthen: gut zu erkennen ist die Stelle, an der preussische Einheiten die Mauer sprengten. |
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| Die Kirche von Leuthen. |
Trip to the locations of the SYW, summer 2010 (part2): Torgau
In Zinna stiegen wir aus den Fahrzeugen und gingen den Befestigungsstreifen der Österreicher ab. Viel ist nicht zu sehen, aber die Höhenlinien sind nach wie vor gut zu erkennen.
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| Blick nach Norden, in Richtung des preussischen Grenadierangriffs gegen die österreichischen Batterien. |
Friday, July 30, 2010
Trip to the locations of the SYW, summer 2010 (part1): Roßbach
Endlich haben wir Zinnsoldatenfans uns alle getroffen und eine Kurzreise zu einigen Schlachtfeldern des Siebenjährigen Krieges unternommen.
Erster Treffpunkt, für alle aus unterschiedlichen Richtungen kommend, war Roßbach.
Übernachtet haben wir in dem kleinen Ort Tagewerben, Ausgangspunkt für Seydlitz´ zweite Angriffswelle gegen Frankreichs rechten Flügel am 5. November 1757.
In Reichardtswerben, gleich 500m weiter nördlich, trafen wir den wunderbaren Herrn Wenzel, der das kleine Museum zur Schlacht im Pfarrhof betreut und liebevoller Kleinarbeit das Zinnsoldaten-Diorama der Schlacht von Roßbach, es stammt aus dem Jahr 1935, renovierte und nun instandhält.
Siehe hierzu: http://web306.server32.greatnet.de/index.php?nr=73&id=77&w_nr=
"Im Pfarrhof zu Reichardtswerben befindet sich ein thüringisch-fränkisches Fachwerkgebäude, das auf der Hofseite von einem Laubengang durchzogen wird. Dieses aus der Mitte des 17. Jahrhunderts stammende Haus, bewahrt in seinen alten Mauern ein kleines Kunstwerk. 1935 wurde darin ein Diorama eingeweiht, das eine der entscheidendsten Schlachten des Siebenjährigen Krieges (1756-1763) darstellt: die Schlacht bei Roßbach.
Nahezu 4500 Zinnfiguren in verschiedenen Uniformen stellen Teile der kriegerischen Auseinandersetzung dar. Entstanden war dieses Großdiorama auf einer Fläche von etwa zwanzig Quadratmetern von 1933 bis 1935 durch den Weißenfelser Oberlehrer Max Brauer." (Auszug aus der offiziellen Seite von Reichhardtswerben).


Das Schlachtfeld ist durch den Tagebau stark überformt; insbesondere der Janusberg, von dem aus der massive preussische Artilleriebeschuss ausging, ist heute verschwunden. Im Anschluss fuhren wir zum Herrenhaus am Südrand von Roßbach, in welcher die preussische Heeresleitung nächtigte und am Morgen des 5. Novemebr 1757 aufgeregt die Truppenbewegungen der Franzosen und der Reichsarmee verfolgten. Die nette Frau, die das Haus heute noch bewohnt, liess uns neugierige Schlachtenbummler ins Haus ein und gewährte uns auch Zugang zur Dachkammer, wo der gute Alte Fritz nächtigte.
Erster Treffpunkt, für alle aus unterschiedlichen Richtungen kommend, war Roßbach.
Übernachtet haben wir in dem kleinen Ort Tagewerben, Ausgangspunkt für Seydlitz´ zweite Angriffswelle gegen Frankreichs rechten Flügel am 5. November 1757.
In Reichardtswerben, gleich 500m weiter nördlich, trafen wir den wunderbaren Herrn Wenzel, der das kleine Museum zur Schlacht im Pfarrhof betreut und liebevoller Kleinarbeit das Zinnsoldaten-Diorama der Schlacht von Roßbach, es stammt aus dem Jahr 1935, renovierte und nun instandhält.
Siehe hierzu: http://web306.server32.greatnet.de/index.php?nr=73&id=77&w_nr=
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| Herr Wenzel zeigt den Schlachtverlauf vom 5. November 1757 |
"Im Pfarrhof zu Reichardtswerben befindet sich ein thüringisch-fränkisches Fachwerkgebäude, das auf der Hofseite von einem Laubengang durchzogen wird. Dieses aus der Mitte des 17. Jahrhunderts stammende Haus, bewahrt in seinen alten Mauern ein kleines Kunstwerk. 1935 wurde darin ein Diorama eingeweiht, das eine der entscheidendsten Schlachten des Siebenjährigen Krieges (1756-1763) darstellt: die Schlacht bei Roßbach.
Nahezu 4500 Zinnfiguren in verschiedenen Uniformen stellen Teile der kriegerischen Auseinandersetzung dar. Entstanden war dieses Großdiorama auf einer Fläche von etwa zwanzig Quadratmetern von 1933 bis 1935 durch den Weißenfelser Oberlehrer Max Brauer." (Auszug aus der offiziellen Seite von Reichhardtswerben).


Das Schlachtfeld ist durch den Tagebau stark überformt; insbesondere der Janusberg, von dem aus der massive preussische Artilleriebeschuss ausging, ist heute verschwunden. Im Anschluss fuhren wir zum Herrenhaus am Südrand von Roßbach, in welcher die preussische Heeresleitung nächtigte und am Morgen des 5. Novemebr 1757 aufgeregt die Truppenbewegungen der Franzosen und der Reichsarmee verfolgten. Die nette Frau, die das Haus heute noch bewohnt, liess uns neugierige Schlachtenbummler ins Haus ein und gewährte uns auch Zugang zur Dachkammer, wo der gute Alte Fritz nächtigte.
Monday, July 19, 2010
Schlacht vor Regensburg Juli 1760 (2010)
Endlich war es soweit! Die preussischen Truppen waren schon im Frühling ausgehoben worden und durch ein Kürassierregiment und Artillerie verstärkt worden.
König Friedrich II. ging wieder eine Allianz mit Louis XV., König von Frankreich, ein, um Rache zu nehmen für die beiden verlorenen Schlachten im letzten Jahr.
Auf den weiten Donaufeldern stellten Russen und Sachsen ihre Formationen auf und harrten der Ereignisse, die am späteren Nachmittag dieses ungewöhnlich heissen und schwülen Sommertages auf sie zukommen würden.
Die russische Generalität sah ein Verteidungsbollwerk in der linken Hälfte des Zentrums vor, flankiert von 3 Husarenregimentern (Slobodisches, Ungarisches, Charkow) und dem Ulanenpulk auf der linken Flanke.
Dort sollte ein Scheinangriff erfolgen, um die gegnerischen Kräfte zu binden.
Der Hauptangriff sollte aber über die sächsischen Grenadierregimenter (Leib, Kurpfalz) und ihre zwei Kürassierregimenter (Garde, Königl. Prinz) auf der äussersten rechten Flanke erfolgen, quer durch die Sümpfe.
Frankreich und Preussen reagierten auf diese Aufstellung der Verteidiger und bildeten zwei Angriffsköpfe: auf der rechten Flanke die französische Kavallerie (Gens d´Armes, Orléans, Royal), auf der linken Flanke eine geballte Kraft aus 4 preussischen Kavallerieregimentern (KR 8+13, HR 5+6) und den Mousquetaires du Roi. Assistiert sollte dieser Angriff werden durch berittene Artillerie und Granaten.
Die Eröffnung
Auf Frankreichs rechter Flanke erfolgt ein kleines und kurzes Gefecht mit der gegnerischen Kavallerie, die deutliche Verluste hinnehmen muss.
Dennoch verharrt die Schlacht an diesem Ort und führt keine weiteren namhaften Bewegungen mehr durch.
Im Zentrum starten russische Dragoner (Archangelsk) einen Entlastungsangriff gegen die preussische Batteriestelllung, es kommt zu heftigen Scharmützeln.
Keine Seite kann nennenswerte Bewegungen durchführen, da stürmt der gesamte linke Kavallerieflügel der Preussen in einem gewaltsamen Angriff gegen die sächsischen Linien.
Sie werden von drei Eliteregimentern und zahlreichen Handgranaten zermalmt und weichen zurück. Der König von Preussen glaubt die Schlacht schon verloren und gibt unter lauten Protesten den Befehl zum Rückzug.
Zu sehr schlummerten in ihm noch die Erinnerungen an das vergangene Jahr mit den beiden verlorenen Schlachten vor Möriken.
König Friedrich II. ging wieder eine Allianz mit Louis XV., König von Frankreich, ein, um Rache zu nehmen für die beiden verlorenen Schlachten im letzten Jahr.
Auf den weiten Donaufeldern stellten Russen und Sachsen ihre Formationen auf und harrten der Ereignisse, die am späteren Nachmittag dieses ungewöhnlich heissen und schwülen Sommertages auf sie zukommen würden.
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| Rechts Malte und Michael, die Generäle der russisch-sächsischen Föderation, links Anselm, seines Zeichens König von Preussen. click to enlarge. |
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| Die Schlachtaufstellung zu Beginn |
Die russische Generalität sah ein Verteidungsbollwerk in der linken Hälfte des Zentrums vor, flankiert von 3 Husarenregimentern (Slobodisches, Ungarisches, Charkow) und dem Ulanenpulk auf der linken Flanke.
Dort sollte ein Scheinangriff erfolgen, um die gegnerischen Kräfte zu binden.
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| Festungsbau mit Mörserbatterie. |
Der Hauptangriff sollte aber über die sächsischen Grenadierregimenter (Leib, Kurpfalz) und ihre zwei Kürassierregimenter (Garde, Königl. Prinz) auf der äussersten rechten Flanke erfolgen, quer durch die Sümpfe.
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| Sächsische Kürassiere des Grade du Corps und, dahinter, des Regiments Königlicher Prinz |
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| Sächsische Grenadiere |
Frankreich und Preussen reagierten auf diese Aufstellung der Verteidiger und bildeten zwei Angriffsköpfe: auf der rechten Flanke die französische Kavallerie (Gens d´Armes, Orléans, Royal), auf der linken Flanke eine geballte Kraft aus 4 preussischen Kavallerieregimentern (KR 8+13, HR 5+6) und den Mousquetaires du Roi. Assistiert sollte dieser Angriff werden durch berittene Artillerie und Granaten.
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| Frankreichs Geschützstellung, umringt von den Regimentern Piemont und Orléans. |
Die Eröffnung
Auf Frankreichs rechter Flanke erfolgt ein kleines und kurzes Gefecht mit der gegnerischen Kavallerie, die deutliche Verluste hinnehmen muss.
Dennoch verharrt die Schlacht an diesem Ort und führt keine weiteren namhaften Bewegungen mehr durch.
Im Zentrum starten russische Dragoner (Archangelsk) einen Entlastungsangriff gegen die preussische Batteriestelllung, es kommt zu heftigen Scharmützeln.
Keine Seite kann nennenswerte Bewegungen durchführen, da stürmt der gesamte linke Kavallerieflügel der Preussen in einem gewaltsamen Angriff gegen die sächsischen Linien.
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| Preussens Kavallerieangriff |
Sie werden von drei Eliteregimentern und zahlreichen Handgranaten zermalmt und weichen zurück. Der König von Preussen glaubt die Schlacht schon verloren und gibt unter lauten Protesten den Befehl zum Rückzug.
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| Gefechtsszene |
Zu sehr schlummerten in ihm noch die Erinnerungen an das vergangene Jahr mit den beiden verlorenen Schlachten vor Möriken.
Monday, June 21, 2010
Nouveau Régiment pour la France: 9me Auvergne
Frankreich rüstet auf: Das 1606 ausgehobene Regiment steht nun unter der Führung des Marquis de Rochambeau bereit für den nächsten Feldzug des Königs von Frankreich.
Die Figuren sind erstmals angefordert von Sash&Saber aus den USA in 40mm vollplastischem Zinn. Sehr detailgenaue Figuren machen das figure painting zum Vergnügen.
Saturday, May 22, 2010
New Prussian artillery equipment: Lafettenwagen
The new Mörserlafettenwagen for Scheckinators Prussian army - background: a fabulous Grenadewagen by Matthias Manske.
After a period of research and experimentating round about the contsructions of carriage models of the prussian, saxon, russian and french army, I found some very interesting sites:
The digitale Archiv Marburg has a collection of detailled construction plans:
and a google-book from the author Friedrich Gustav Rouvroy, who describes the constructions from every country:
Vorlesungen über die Artillerie zum Gebrauch der Königl. Sächs ..., Band 2
Thanks to Matthias Manske, who fabricated the most beautiful wheels and sent me 12 pieces! So I built the first prussian mortar-carriage "Mörser-Lafettenwagen" in the scale of 40mm. The construction material is polystirol, what is very simple to cut and glue.
Friday, April 30, 2010
Saxony´s Cuirassier-Regiment "Königlicher Prinz"
My first order by the Matthias-Manske-Zinnfiguren, a manufacturer in Erlangen, was this officer of Cuirassiers, dedicated to my Saxon Army. Manske-figures are fine detailled and full-threedimensional, so it was another style of work to paint them. I like this figures very much.
Have a look at his site here:
http://www.matthias-manske.de/
Sunday, February 28, 2010
New Prussian battery with equipment finished!
Prussian Artillery is increasing its gunpower: this new 12pdr. with equipment is a combination of Prince August and NMZ moulds. Just bringing to the Bavarian post office, the battery is on the way to Scheckinator!
Monday, February 1, 2010
Gumbinnen (Gusev), East-Prussia while SYW_Part 2
Landschaft um Gumbinnen, August 2009
Text aus: http://www.kreis-gumbinnen.de/
Stadt und Kreis Gumbinnen im Siebenjährigen Krieg (1756—63)
von Dr. phil. Rudolf Grenz
Bald darauf ereignete sich die Schlacht bei Groß-Jägersdorf (am 30. August 1757), die die Lage Ostpreußens verschlechterte; jedenfalls nach dem Verlust der Schlacht gab Friedrich der Große vorläufig die Provinz auf, weil er daran zweifelte, sie auf die Dauer halten zu können.
Pastenaci notiert in seinem Tagebuch: „Den 4. September 1757. Eben, da der Gottesdienst in Gumbinnen angehen sollte, lief ein Schreiben von dem Obristen von Gersdorff aus Tilsit ein, mit dem Befehl, daß ein ordentliches Dankfest wegen des den 30. August erfochtenen rußischen Sieges gehalten, und das Te Deum laudamus angestimmt werden sollte. — Die Prediger baten Gott inbrünstig, daß Er dem Blutvergießen steuren, und uns bald den edlen Frieden aus Gnaden schenken möchte."
Durch Patent vom 31. Dezember 1757 wurde von der Zarin Elisabeth die Provinz zu russischem Besitz erklärt. Die Bewohner wurden zur Ablegung des Treueides gezwungen.
Gervais berichtet 1818 über die Verhältnisse im Siebenjährigen Kriege zu Gumbinnen:
„In Gumbinnen selbst hatte die Russische Armee ein ziemlich beträchtliches Mehlmagazin errichtet. Dieses hätte sehr leicht die Stadt in eine sehr unglückliche Lage versetzen können. Jeder Einwohner zitterte für die Folgen eines Vorganges, der im Kriege zwar nicht selten ist, aber auch sehr bald die Quelle eines unermeßlichen Elendes werden kann.
Nach der am 20 sten August 1757 beim Dorfe Norkitten, im Fürstlich Dessauschen zwischen der Preußischen und Russischen Armee vorgefallenen Schlacht (gemeint ist die schon erwähnte Schlacht bei Groß-Jägersdorf), erschien ein Preußisches Husarenkommando und zerstörte das Mehl-Magazin. Einige Tage nachher kam ein noch stärkeres Kommando Russischer Husaren, fest entschlossen, aus Rache die Stadt zu plündern und in Brand zu stecken. Ganz natürlich war der Argwohn, daß selbst Gumbinnens Bürger an der Zerstörung des Magazins Theil genommen. Auf dringende Vorstellungen und Versicherungen des damaligen Magistrats, schuldlos dabei zu seyn, entfernte sich auch wieder ganz ruhig dieses Kommando, und die Stadt mit ihren Bürgern blieb verschont."
Es folgten nun lange Jahre russischer Besatzung; während derselben leistete der Gestütsleiter Domhardt in Trakehnen dem König von Preußen, Friedrich dem Großen, unschätzbare Dienste. Im Jahre 1757 in Gumbinnen zum Regierungspräsidenten ernannt, brachte er mit seltenem Geschick die Stadt und den Regierungsbezirk ohne besonders fühlbare Schäden über die schwere Besetzungszeit hinweg. Als die Provinz nach fünfjähriger Abtrennung Anfang August 1762 durch einen mit der russischen Kaiserin Katharina II. abgeschlossenen Vertrag wieder unter die Herrschaft Friedrichs des Großen kam, konnte Domhardt dem König berichten, dass bei der Gumbinner Regierungskasse trotz Krieg und Besetzung 80 000 Taler erspart worden seien.
Aber auch während des Krieges wusste Domhardt seinen König mit Getreide und Geld zu versorgen, und hinterging geschickt die Besatzungsmacht. In diesem Zusammenhange hatte sich vor allem der Strumpffabrikant Kapeller aus Gumbinnen einen Namen gemacht. Er übernahm während des Krieges einen Geldtransport von 100.000 Rthl. zur Preußischen Armee. Hier geriet Kapeller in große Gefahr, gefangen zu werden. Allein er verlor weder Besinnung noch Mut, rettete sich und seine Geldwagen. Domhardt schenkte ihm daher auch weiterhin Beachtung und empfahl ihn Friedrich dem Großen. Dieser unterstützte ihn mit beträchtlichen Vorschüssen bei Anlegung seiner Strumpffabrik, die für jene Zeiten recht umfangreich war: Neun Stühle beschäftigten sich täglich mit Verfertigung wollener, sechs mit baumwollener, und zwei Stühle mit Verfertigung seidener Strümpfe. Als reicher und angesehener Mann starb Kapeller im März 1793, er, der als 12-jähriger Vollwaise mit den Salzburgern ins Land gekommen war, seine Reise zu Fuß machen mußte und seine geringen Habseligkeiten auf einem Schubkarren transportiert hatte.
Text aus: http://www.kreis-gumbinnen.de/
Stadt und Kreis Gumbinnen im Siebenjährigen Krieg (1756—63)
von Dr. phil. Rudolf Grenz
Bald darauf ereignete sich die Schlacht bei Groß-Jägersdorf (am 30. August 1757), die die Lage Ostpreußens verschlechterte; jedenfalls nach dem Verlust der Schlacht gab Friedrich der Große vorläufig die Provinz auf, weil er daran zweifelte, sie auf die Dauer halten zu können.
Pastenaci notiert in seinem Tagebuch: „Den 4. September 1757. Eben, da der Gottesdienst in Gumbinnen angehen sollte, lief ein Schreiben von dem Obristen von Gersdorff aus Tilsit ein, mit dem Befehl, daß ein ordentliches Dankfest wegen des den 30. August erfochtenen rußischen Sieges gehalten, und das Te Deum laudamus angestimmt werden sollte. — Die Prediger baten Gott inbrünstig, daß Er dem Blutvergießen steuren, und uns bald den edlen Frieden aus Gnaden schenken möchte."
Durch Patent vom 31. Dezember 1757 wurde von der Zarin Elisabeth die Provinz zu russischem Besitz erklärt. Die Bewohner wurden zur Ablegung des Treueides gezwungen.
Gervais berichtet 1818 über die Verhältnisse im Siebenjährigen Kriege zu Gumbinnen:
„In Gumbinnen selbst hatte die Russische Armee ein ziemlich beträchtliches Mehlmagazin errichtet. Dieses hätte sehr leicht die Stadt in eine sehr unglückliche Lage versetzen können. Jeder Einwohner zitterte für die Folgen eines Vorganges, der im Kriege zwar nicht selten ist, aber auch sehr bald die Quelle eines unermeßlichen Elendes werden kann.
Nach der am 20 sten August 1757 beim Dorfe Norkitten, im Fürstlich Dessauschen zwischen der Preußischen und Russischen Armee vorgefallenen Schlacht (gemeint ist die schon erwähnte Schlacht bei Groß-Jägersdorf), erschien ein Preußisches Husarenkommando und zerstörte das Mehl-Magazin. Einige Tage nachher kam ein noch stärkeres Kommando Russischer Husaren, fest entschlossen, aus Rache die Stadt zu plündern und in Brand zu stecken. Ganz natürlich war der Argwohn, daß selbst Gumbinnens Bürger an der Zerstörung des Magazins Theil genommen. Auf dringende Vorstellungen und Versicherungen des damaligen Magistrats, schuldlos dabei zu seyn, entfernte sich auch wieder ganz ruhig dieses Kommando, und die Stadt mit ihren Bürgern blieb verschont."
Es folgten nun lange Jahre russischer Besatzung; während derselben leistete der Gestütsleiter Domhardt in Trakehnen dem König von Preußen, Friedrich dem Großen, unschätzbare Dienste. Im Jahre 1757 in Gumbinnen zum Regierungspräsidenten ernannt, brachte er mit seltenem Geschick die Stadt und den Regierungsbezirk ohne besonders fühlbare Schäden über die schwere Besetzungszeit hinweg. Als die Provinz nach fünfjähriger Abtrennung Anfang August 1762 durch einen mit der russischen Kaiserin Katharina II. abgeschlossenen Vertrag wieder unter die Herrschaft Friedrichs des Großen kam, konnte Domhardt dem König berichten, dass bei der Gumbinner Regierungskasse trotz Krieg und Besetzung 80 000 Taler erspart worden seien.
Aber auch während des Krieges wusste Domhardt seinen König mit Getreide und Geld zu versorgen, und hinterging geschickt die Besatzungsmacht. In diesem Zusammenhange hatte sich vor allem der Strumpffabrikant Kapeller aus Gumbinnen einen Namen gemacht. Er übernahm während des Krieges einen Geldtransport von 100.000 Rthl. zur Preußischen Armee. Hier geriet Kapeller in große Gefahr, gefangen zu werden. Allein er verlor weder Besinnung noch Mut, rettete sich und seine Geldwagen. Domhardt schenkte ihm daher auch weiterhin Beachtung und empfahl ihn Friedrich dem Großen. Dieser unterstützte ihn mit beträchtlichen Vorschüssen bei Anlegung seiner Strumpffabrik, die für jene Zeiten recht umfangreich war: Neun Stühle beschäftigten sich täglich mit Verfertigung wollener, sechs mit baumwollener, und zwei Stühle mit Verfertigung seidener Strümpfe. Als reicher und angesehener Mann starb Kapeller im März 1793, er, der als 12-jähriger Vollwaise mit den Salzburgern ins Land gekommen war, seine Reise zu Fuß machen mußte und seine geringen Habseligkeiten auf einem Schubkarren transportiert hatte.
Gumbinnen (Gusev), East-Prussia while SYW
Dieser Post ist der erste einer neuen Serie über Landschaften, Geschichten, Schlachtfelder oder interessanter Orte, die im Siebenjährigen Krieg eine Rolle spielten.
Wir beginnen heute mit der Stadt Gumbinnen in Ost-Ostpreussen, das wir im Sommer 2009 besuchten. Gumbinnen war während des Siebenjährigen Krieges ebenso als erste deutsche Stadt vom Krieg gegen Russland heimgesucht worden, wie später in den beiden Weltkriegen.
Die Lage am äussersten Ostrand Preussens, später des Deutschen Reiches, war dazu vorbestimmt, früh und heftig in Mitleidenschaft gezogen zu werden.
This posts starts a new serie about the sites, battlefields and interesting locations of the Seven Years War. Today we present the city of Gumbinnen in the Eastern East-Prussia, which we visited in summer 2009.
Gumbinnen was the first german city suffering heavily under the war against Russia - the same destiny came over this region in the two World Wars. Its contributed to geographical situation.
The following text is describing the happenings in August 1757, when the Russian Army under General Apraxin conquered the region around Gumbinnen - a diary notice by the priest Friedrich Pastenaci (in german).
link: http://www.kreis-gumbinnen.de, text written by Dr. phil. Rudolf Grenz
Die Zeit des Siebenjährigen Krieges war für die ganze Provinz Ostpreußen eine Schreckenszeit. Bereits im 2. Kriegsjahr sehen wir die russische Armee unter Apraxin auf ostpreußischem Boden vordringen. Nächst Entgegennahme der Unterwerfung des Städtchens Stallupönen wendet sie sich gegen Gumbinnen. Über die Ereignisse, die nun eintreten, haben wir für Gumbinnen das Glück, über Tagebuchnotizen zu verfügen, die der Pfarrer Friedrich Pastenaci anlegte.
Text aus: http://www.kreis-gumbinnen.de, Text erstellt von Dr. phil. Rudolf Grenz:
Friedrich Pastenaci ist am 27. August 1718 zu Styrlack geboren (Gr. Stürlack, Kr. Lötzen), seit 1746 Prediger bei der Hospitalkirche der Salzburger in Gumbinnen, gestorben am 11. April 1770.
Die für uns wichtigen Eintragungen in dem Tagebuch beginnen mit dem 1. August 1757. Wir lassen den Wortlaut folgen, der uns recht lebendig und unmittelbar anspricht:
„Den 1. August. Weil jetzt die Feinde der Stadt Gumbinnen schon ganz nahe waren, so gieng der Bürgermeister Zimmermann mit dreien Bürgern dem Feld-Marschall von Apraxin nach Stallupönen entgegen, um Ihm die Stadt zu unterwerfen und die Plünderung abzuwenden.
Den 4. August kam der Bürgermeister Z. mit der Versicherung zurück, daß der Stadt kein Leid wiederfahren sollte; auch mußten zwei Fleischer zur Rußischen Armee geschickt werden, welche dieselbe führen sollten. — Gegen Abend wurde die ganze Stadt in die äußerste Bestürzung gesetzt, weil man Nachricht davon erhielt, wie grausam die Kosacken die Geistlichen in Zirgupoenen (Szirgupönen, unweit der Landstraße von Stallupönen nach Gumbinnen im Gumbinnenschen Kreise gelegen) behandelt hatten. Auf dieser Nachricht flüchtete daher auch alles, was noch bis jetzt Stand gehalten hatte, aus der Stadt; selbst aus dem Magistrat gingen der Stadtrichter Kurella und der Stadtkämmerer Schultz gleichfalls weg. Die Prediger aber, (1. Erhard Wolff, 1736 bis zu seinem Tode 1759 Pfarrer bei der Stadtkirche in Gumbinnen. 2. Otto Gottl. Fiedler, 1751—58 Diakonus bei der Stadtkirche in Gumbinnen, 1758 bis zu seinem Tode 1784 Erzpriester in Ragnit. 3. Friedrich Pastenaci von der Salzburger Hospitalkirche, der Verfasser dieses Tagebuchs), die übrigen Magistrats-Personen, und wenige Bürger blieben zurücke.
Den 5. Weil man aufs gewißeste benachrichtiget war, daß die Rußische Armee diesen Tag durch die Stadt marchiren würde, so giengen (um 2 Uhr des Morgens), der Postmeister, die Accise-Bedienten, der Magistrat und die Prediger vors Thor hinaus, um sich zu unterwerfen, und um Gnade zu bitten. Das Geschrei der Kommenden war schon von weitem zu hören. Bald nach 3 Uhr ließen sich die ersten Kosacken sehen. Ihre langen Piquen gliechen einem deichten Walde. Dieser Anblick war fürchterlich. Sie marchirten grade durch das Sommer-Getraide, und schickten viele kleine Commandos aus, die eine Seite der Stadt zu recognosciren. Zu gleicher Zeit sähe man einen großen Schwärm derselben zur linken Hand durch das Dorf Norißaczen (Norutschatschen, später zu Gumbinnen eingemeindet) eilen, um die andere Seite der Stadt gleichfalls zu untersuchen. Eine große Anzahl derselben kam aber gerade auf die Stadt, und die ihnen entgegen gegangene geängstigte Einwohner derselben zogen sich nach dem Thore zurück, und blieben an demselben stehen. Auf die Annäherung der Kosacken neigten sie sich zur Erde und riefen um Gnaden. — Hierauf ritt Einer aus dem Trupp heraus, und frug, ob jemand vorhanden wäre, der polnisch sprechen könnte. Der Hospital-Prediger Pastenaci antwortete ihm, daß er dieser Sprache kundig sey. — Der Kosacken-Officier frug hierauf: ob Preußische Husaren in der Stadt wären. Man antwortete ihm: Nein. Er frug weiter: wann selbige zuletzt in der Stadt gewesen wären. — Hierauf gab man ihm zur Antwort: es seyen schon mehr als 10 Tage verfloßen, da man keinen in der Stadt gesehen. Nun erkundigte er sich, wo sie denn wohl eigentlich wären, und hierauf wurde ihm erwiedert: das wüßte Niemand, doch hätte man gehört, daß 2 Meilen von der Stadt in einem Walde sich einige sehen ließen. (Es mußte dieses gesagt werden, weil der Bürgermeister Zimmermann solches bei seinem Verhör in Stallupönen ihm berichtet hatte.) Jetzt frug er nochmals: ob er ganz sicher in die Stadt reiten könnte, welches ihm dann theuer versichert wurde.
Der Hospital-Prediger flehte nun abermahls um Gnade für die Stadt, worauf der Kosacken-Officier seinem Pferde ein Haar auszog und sagte:
,Ich bin der commandirende Obriste dieses Pulks, es soll euch nicht so viel Leids geschehen, als dieses Haar beträgt.' — Er schickte auch sogleich einen Officier zurück, welcher allen nachkommenden Kosacken und Kalmücken andeuten mußte, daß denen am Thor stehenden Leuten kein Schaden zugefügt werden sollte, auch sollte ein jeder grade zu durch die Stadt reiten, und sich gar nicht aufhalten.
Kaum war aber dieser Obriste in der Stadt, so fuhr ein Kosacke mit seiner Pique den noch am Thor stehenden Predigern nach den Köpfen, so daß sich selbige genöthigt sahen, zurück zu weichen. Und die ändern schrieen ihnen zu: ,Wir kommen, wir kommen nach eurem Blute', welches wüste Geschrei ein bald darauf hinzugekommener Mann, der Rußisch verstand, ihnen erklärte. Es blieben auch 15 bis 20 Kosacken zurück, welche sich hinter das daselbst stehende Holz versteckten, und Willens waren, die um Gnade bittenden Gumbinner zu plündern. Allein, Gott der Herr, hatte sie einmahl in seinen Schutz genommen, und so mußte ihnen kein Leids geschehen. Denn eben als sie aus ihrem Hinterhalt hervorbrachen, ihr gottloses Vorhaben auszuführen, kam aus der Stadt ein Kosacken-Officier, der sie mit vielen Schlägen und Scheltworten zusammen trieb und zu den übrigen brachte.
Die Furcht, welche der Kosacken-Obriste und die ersten Kosacken für die Preußische Husaren am Thor bezeigten, konnte man aus ihren Reden und zitternden Geberden zur Genüge abnehmen. Kaum waren sie aber durch die Stadt, so plünderten sie alle benachbarte Dörfer, und erschoßen einen Hirten-Jungen, der das Vieh wegtreiben wollte.
Den Kosacken folgten zwei Regimenter Husaren. Hierauf Dragoner, reitende Grenadier, und Küraßierer. Sodann ein großer Schwärm Kalmücken, unter welchen sich ein vernünftiger und guter Officier befand, der mit den am Thor stehenden Predigern und ändern lange Polnisch redete, und ihnen zum Schütze diente. — Nach diesen kamen wieder zwei Regimenter Husaren, viele Dragoner, Grenadier und Küraßierer; ferner einige nackte Kalmücken, die ein gräßliches Geschrei machten. — Ein Dragoner-Officier kam zu denen vor dem Thor stehenden Supplicanten, welcher mit ihnen lange Zeit lateinisch redete, da unterdeßen viele Regimenter vorbei marchirten. Nach 9 Uhr kam endlich deren Chef commandirende General von Liewen, welcher die Prediger, den Magistrat und alle andere ganz gnädig empfing, ihnen die Versicherung gab, daß er in der Stadt bleiben, und sie für die Kosacken schützen würde, auch zugleich andeutete, daß sie nach Hause gehen könnten, weil der Feld-Marchall von Apraxin erst morgen kommen werde.
Im Thor wurde dem Hospital-Prediger noch von einem Kosacken die Pique auf die Brust gesetzet, mit dem Bedeuten, daß er Geld verlange, worauf jener 4 Achtzehner herfürlangte, und ihn damit befriedigte.
Den 6. In der Nacht hauseten die Kosacken in allen um die Stadt liegenden Dörfern sehr übel, plünderten alles rein aus, nahmen Vieh und Pferde weg, und schlugen die Leute fast bis auf den Tod. — Die vorbenannten Personen giengen diesen Morgen wieder um 2 Uhr vors Thor. Die Rußische Armee war bald darauf zu sehen. Ein großer Schwärm Kalmücken marchirte voran, welchen verschiedene regulaire Regimenter folgten.
Nach einigen Stunden kam der General-Major von Weymar, welcher die Ihm entgegen gehende Herren ganz freundlich grüßte und frug: ob es in der Stadt noch wohl stände. Man antwortete Ihm: Ja, Gottlob. — Er sagte hierauf: Gottlob, das ist mir lieb zu hören. Auf den Dörfern haben die Kosacken und Kalmücken übel gewirtschaftet, solches kann ferner nicht gestattet werden. Wir haben Ordre, das Land aufs beste zu schonen.
Gegen 10 Uhr kam endlich der General-Feld-Marchall von Apraxin von vielen Generals und hohen Officiers begleitet. — Der Magistrat und die ändern Herren unterwarfen sich ihm, und baten um Gnade und Schutz, worauf selbiger ganz ernsthaft antwortete: so viel als möglich seyn wird. Hierauf ritte Er in die Stadt, und ein jeder begab sich nach Hause. — Bald darauf kam ein großer Zug von vielen großen und kleinen Kanonen, viele Wagens mit Geld und Bagage, auf welche das Regiment des Thronfolgers, das aus 3000 Mann bestand, und für das schönste gehalten wurde, folgte. Das Lager war gleich hinter der Stadt auf dem Sommerfelde, wodurch alle zu hoffende Früchte vernichtet wurden.
Nachmittag um 6 Uhr gingen sämtliche Prediger ins Lager, um wegen des morgenden Gottesdienstes zu fragen, ob selbiger, wie gewöhnlich, gehalten werden könnte. Der General-Major von Weymar stand vor dem Zelt des Feld-Marchalls, und redete mit dem Pfarrer aus Zirgupoenen (= Szirgupönen). Er wandte sich hierauf zu der Gumbinnschen Geistlichkeit und fragte selbige, was ihr Begehren wäre? — Sie antworteten: daß sie Ew. Excellence den Feld-Marchall von Apraxin unterthänig antreten, und anfragen wollten, ob sie den morgenden Gottesdienst, wie vorhin, verrichten könnten? Ferner, da die Trauer wegen des Todesfalles Ihro Majestät der Mutter des Königs von Preußen angefangen worden, ob man damit fortfahren sollte? — (Es mußte alle Tage eine Stunde geläutet und in den Kirchen keine Orgel gerühret werden.)
Sie baten drittens: daß wenn die Armee weiter fortrücken würde, ob es Ihro Excellence nicht gefällig seyn möchte, wegen der Grausamkeit der irregulairen Truppen, eine kleine Besatzung von regulairer Militz in der Stadt zu laßen.
Auf das erste antwortete der General-Major v. W.: daß in dem Gottesdienst keine Änderung geschehen würde, da die Religions-Freiheit in allen Rußischen Provinzen Statt fände. —
Wegen des zweiten glaubte Er, daß Sr. Exellence, der Herr Feld-Marchall kein Bedenken finden würde, die Trauer im Lande zu gestatten, da es eine hohe und verehrungswürdige Königinn gewesen, die mit dem Rußischen Hofe eine beständige Freundschaft unterhalten.
Für das dritte endlich wäre schon gesorgt, und würde der von Ihro Kaiserlichen Majestät bestallte Landes-Hauptmann von Litthauen mit einem Regiment Fuß-Völker in der Stadt bleiben.
Hierauf gieng Er ins Gezelt des Feld-Marchalls, von wo Er nach einer kleinen Weile zurück kam, und die den Predigern gegebene Antwort auf obige drei Punkte nochmals wiederhohlte. Er schien ganz bekümmert zu seyn, wegen der großen Aus¬schweifungen und Grausamkeiten der Kosacken und Kalmücken, Er tröstete auch die niedergeschlagenen Prediger mit der Versicherung, daß ihnen und der Stadt kein Leids widerfahren sollte. — Man kann auch gewiß glauben, daß dieser Herr einen rechten Abscheu gegen das Verfahren der Rußischen Armee gehabt habe; wie Er denn auch gegen verschiedene Leute sich vernehmen laßen: daß sie auf diese Weise eben nichts ausrichten, sondern sich vielmehr selbst aufreiben würden. Es war auch das Verfahren dieser Barbaren ganz entsetzlich. In allen Dörfern, wo sie nur hinkamen, wurden die Leute ganz nackt ausgezogen, und alsdann geprügelt und gemißhandelt. Alles suchte daher in den Wäldern Schutz, und in den Dörfern fand man nur hie und da, halbtodt geschlagene Menschen.
Als die Prediger aus dem Lager zurück kehren wollten, sagte der General-Major von Weymar noch zu ihnen, daß sie ihre Predigten so einrichten sollten, daß dadurch die Leute zur Huldigung Ihro Kaiserlichen Majestät, und zum Schwur, der ihnen morgen sollte abgenommen werden, vorbereitet würden. Es sollten auch zu dem Ende die reformierten und der Hospital-Prediger mit ihren Zuhörern in die Lutherische Stadt-Kirche kommen, um den Eid der Treue zu leisten.
Den 7. Dies war der traurige Tag, an welchem unsere arme Stadt den Eid der Treue der Russischen Kaiserin leisten mußte. Frühe des Morgens wurden den Predigern einige gedruckte Edicte und geschriebene Verordnungen zugeschicket, die von den Kanzeln öffentlich abgelesen werden sollten.
Als der Gottesdienst geendigt war, und die Prediger und Zuhörer aus der reformierten Kirche und Hospital sich in der lutherischen Kirche eingefunden hatten, wurde durch den Obristen Gersdorff der Eid laut abgelesen, welchen ein Jeder mit aufgehobenen Fingern nachsprechen mußte.
Den Predigern wurde auch befohlen, das Kirchengebet zu ändern, und für die Kaiserin aller Reußen, für die Kaiserliche Familie, und für den glücklichen Fortgang ihrer Waffen zu beten.
Den 8. Heute gegen Mittag war unter den rußischen Generals und Officieren, die in der Stadt waren, eine große Unruhe und Bestürzung zu spüren. Um 11 Uhr setzte sich der Feld-Marchall von Apraxin zu Pferde, welchem der General Liewen und andere schleunigst folgten. Das Gezelte des Feld-Marchalls wurde abgebrochen, und das Regiment des Großfürsten folgte auf das geschwindeste. Bald darauf erfuhr man, daß ein sehr heftiges Scharmützel, ohngefähr zwei Meilen von der Stadt, im Piecz-kiem'schen (= Pötschkehmen bei Gerwischkehmen) Walde vorgefallen wäre. Die Rußische Avant-Garde war aufgebrochen, und sollte auf Insterburg marchiren. Zwei oder drei Esquadron Preußischer Husaren unter dem Obristen Malachowski trafen auf dieselbe im Walde, und richteten eine entsetzliche Massacre unter ihnen an. — Wie viel Todten die Rußen gehabt haben, hat man nie recht erfahren können. Den folgenden Tag aber wurden sehr viele Bleßirte in die Stadt gebracht, und auf der Neustadt verlegt. Die Zahl derselben kann man nicht eigentlich bestimmen, so viel aber ist gewiß, daß über 800 Bleßirte und Kranke in der Stadt gewesen, von welchen viele der schlechten Pflege wegen gestorben sind. — Dieses Scharmützel hemmete auch die Prahlereien der Rußischen Officiere sehr, die nun gestanden, daß die Preußen kühne Soldaten wären, welche zu überwinden viel Blut kosten würde.
Des Nachmittags geschahen scharfe Executiones. Zwei Litthauer aus dem Dorfe Mikkutelen, ohnweit Kattenau, wurden gehängt. Man beschuldigte sie, daß sie einen verwundeten Rußischen Dragoner auf dem Heuboden getödtet, und hernach heruntergeworfen hätten. Diese armen Leute leugneten das erstere beständig, und erlangten nur so viel Gnade, daß die Prediger zu ihnen gelaßen wurden, die sie zum Tode zubereiteten. Sie starben getrosten Muthes; ihre Körper mußten am Galgen hängen bleiben.
Auf dem Markt in der Stadt bekamen 10 Kosacken die Knute, jeder 30 Hiebe, worauf ihnen die Nasen aufgeritzt wurden. Zween wurden die Ohren und Nasen abgeschnitten, und sie sodann mit den übrigen fortgebracht. Die Ursache ihrer Bestrafung war, weil sie den von den Rußen eingesetzten Amtsinspektor Dresler in Zirgupoenen (Szirgupönen) grausam gemißhandelt und geplündert hatten. Es kann auch seyn, daß der General-Major von Weymar dazu etwas beigetragen hat, um diese gottlose Leute zu schrecken, und sie vom Plündern abzuhalten, wie wohl sie nachhero noch grausamer gewesen sind. Damit aber keine Klagen über sie kommen möchten, so schlugen sie die Leute todt. An eben diesem Tage wurde auch Gerwißkiemen geplündert. Der Pfarrer (Gottfried Ulrich 1755—1808 zu seinem Tode in Gerwischkehmen) und Praecentor hatten sich zu rechter Zeit noch reteriert. Die Kirche wurde aufgebrochen, die Decken vom Altar und der Kanzel weggerißen, und der Boden durchwühlet, wiewohl sie keine Schätze fanden."
Wir beginnen heute mit der Stadt Gumbinnen in Ost-Ostpreussen, das wir im Sommer 2009 besuchten. Gumbinnen war während des Siebenjährigen Krieges ebenso als erste deutsche Stadt vom Krieg gegen Russland heimgesucht worden, wie später in den beiden Weltkriegen.
Die Lage am äussersten Ostrand Preussens, später des Deutschen Reiches, war dazu vorbestimmt, früh und heftig in Mitleidenschaft gezogen zu werden.
This posts starts a new serie about the sites, battlefields and interesting locations of the Seven Years War. Today we present the city of Gumbinnen in the Eastern East-Prussia, which we visited in summer 2009.
Gumbinnen was the first german city suffering heavily under the war against Russia - the same destiny came over this region in the two World Wars. Its contributed to geographical situation.
The following text is describing the happenings in August 1757, when the Russian Army under General Apraxin conquered the region around Gumbinnen - a diary notice by the priest Friedrich Pastenaci (in german).
link: http://www.kreis-gumbinnen.de, text written by Dr. phil. Rudolf Grenz
Die Zeit des Siebenjährigen Krieges war für die ganze Provinz Ostpreußen eine Schreckenszeit. Bereits im 2. Kriegsjahr sehen wir die russische Armee unter Apraxin auf ostpreußischem Boden vordringen. Nächst Entgegennahme der Unterwerfung des Städtchens Stallupönen wendet sie sich gegen Gumbinnen. Über die Ereignisse, die nun eintreten, haben wir für Gumbinnen das Glück, über Tagebuchnotizen zu verfügen, die der Pfarrer Friedrich Pastenaci anlegte.
Text aus: http://www.kreis-gumbinnen.de, Text erstellt von Dr. phil. Rudolf Grenz:
Friedrich Pastenaci ist am 27. August 1718 zu Styrlack geboren (Gr. Stürlack, Kr. Lötzen), seit 1746 Prediger bei der Hospitalkirche der Salzburger in Gumbinnen, gestorben am 11. April 1770.
Die für uns wichtigen Eintragungen in dem Tagebuch beginnen mit dem 1. August 1757. Wir lassen den Wortlaut folgen, der uns recht lebendig und unmittelbar anspricht:
„Den 1. August. Weil jetzt die Feinde der Stadt Gumbinnen schon ganz nahe waren, so gieng der Bürgermeister Zimmermann mit dreien Bürgern dem Feld-Marschall von Apraxin nach Stallupönen entgegen, um Ihm die Stadt zu unterwerfen und die Plünderung abzuwenden.
Den 4. August kam der Bürgermeister Z. mit der Versicherung zurück, daß der Stadt kein Leid wiederfahren sollte; auch mußten zwei Fleischer zur Rußischen Armee geschickt werden, welche dieselbe führen sollten. — Gegen Abend wurde die ganze Stadt in die äußerste Bestürzung gesetzt, weil man Nachricht davon erhielt, wie grausam die Kosacken die Geistlichen in Zirgupoenen (Szirgupönen, unweit der Landstraße von Stallupönen nach Gumbinnen im Gumbinnenschen Kreise gelegen) behandelt hatten. Auf dieser Nachricht flüchtete daher auch alles, was noch bis jetzt Stand gehalten hatte, aus der Stadt; selbst aus dem Magistrat gingen der Stadtrichter Kurella und der Stadtkämmerer Schultz gleichfalls weg. Die Prediger aber, (1. Erhard Wolff, 1736 bis zu seinem Tode 1759 Pfarrer bei der Stadtkirche in Gumbinnen. 2. Otto Gottl. Fiedler, 1751—58 Diakonus bei der Stadtkirche in Gumbinnen, 1758 bis zu seinem Tode 1784 Erzpriester in Ragnit. 3. Friedrich Pastenaci von der Salzburger Hospitalkirche, der Verfasser dieses Tagebuchs), die übrigen Magistrats-Personen, und wenige Bürger blieben zurücke.
Den 5. Weil man aufs gewißeste benachrichtiget war, daß die Rußische Armee diesen Tag durch die Stadt marchiren würde, so giengen (um 2 Uhr des Morgens), der Postmeister, die Accise-Bedienten, der Magistrat und die Prediger vors Thor hinaus, um sich zu unterwerfen, und um Gnade zu bitten. Das Geschrei der Kommenden war schon von weitem zu hören. Bald nach 3 Uhr ließen sich die ersten Kosacken sehen. Ihre langen Piquen gliechen einem deichten Walde. Dieser Anblick war fürchterlich. Sie marchirten grade durch das Sommer-Getraide, und schickten viele kleine Commandos aus, die eine Seite der Stadt zu recognosciren. Zu gleicher Zeit sähe man einen großen Schwärm derselben zur linken Hand durch das Dorf Norißaczen (Norutschatschen, später zu Gumbinnen eingemeindet) eilen, um die andere Seite der Stadt gleichfalls zu untersuchen. Eine große Anzahl derselben kam aber gerade auf die Stadt, und die ihnen entgegen gegangene geängstigte Einwohner derselben zogen sich nach dem Thore zurück, und blieben an demselben stehen. Auf die Annäherung der Kosacken neigten sie sich zur Erde und riefen um Gnaden. — Hierauf ritt Einer aus dem Trupp heraus, und frug, ob jemand vorhanden wäre, der polnisch sprechen könnte. Der Hospital-Prediger Pastenaci antwortete ihm, daß er dieser Sprache kundig sey. — Der Kosacken-Officier frug hierauf: ob Preußische Husaren in der Stadt wären. Man antwortete ihm: Nein. Er frug weiter: wann selbige zuletzt in der Stadt gewesen wären. — Hierauf gab man ihm zur Antwort: es seyen schon mehr als 10 Tage verfloßen, da man keinen in der Stadt gesehen. Nun erkundigte er sich, wo sie denn wohl eigentlich wären, und hierauf wurde ihm erwiedert: das wüßte Niemand, doch hätte man gehört, daß 2 Meilen von der Stadt in einem Walde sich einige sehen ließen. (Es mußte dieses gesagt werden, weil der Bürgermeister Zimmermann solches bei seinem Verhör in Stallupönen ihm berichtet hatte.) Jetzt frug er nochmals: ob er ganz sicher in die Stadt reiten könnte, welches ihm dann theuer versichert wurde.
Der Hospital-Prediger flehte nun abermahls um Gnade für die Stadt, worauf der Kosacken-Officier seinem Pferde ein Haar auszog und sagte:
,Ich bin der commandirende Obriste dieses Pulks, es soll euch nicht so viel Leids geschehen, als dieses Haar beträgt.' — Er schickte auch sogleich einen Officier zurück, welcher allen nachkommenden Kosacken und Kalmücken andeuten mußte, daß denen am Thor stehenden Leuten kein Schaden zugefügt werden sollte, auch sollte ein jeder grade zu durch die Stadt reiten, und sich gar nicht aufhalten.
Kaum war aber dieser Obriste in der Stadt, so fuhr ein Kosacke mit seiner Pique den noch am Thor stehenden Predigern nach den Köpfen, so daß sich selbige genöthigt sahen, zurück zu weichen. Und die ändern schrieen ihnen zu: ,Wir kommen, wir kommen nach eurem Blute', welches wüste Geschrei ein bald darauf hinzugekommener Mann, der Rußisch verstand, ihnen erklärte. Es blieben auch 15 bis 20 Kosacken zurück, welche sich hinter das daselbst stehende Holz versteckten, und Willens waren, die um Gnade bittenden Gumbinner zu plündern. Allein, Gott der Herr, hatte sie einmahl in seinen Schutz genommen, und so mußte ihnen kein Leids geschehen. Denn eben als sie aus ihrem Hinterhalt hervorbrachen, ihr gottloses Vorhaben auszuführen, kam aus der Stadt ein Kosacken-Officier, der sie mit vielen Schlägen und Scheltworten zusammen trieb und zu den übrigen brachte.
Die Furcht, welche der Kosacken-Obriste und die ersten Kosacken für die Preußische Husaren am Thor bezeigten, konnte man aus ihren Reden und zitternden Geberden zur Genüge abnehmen. Kaum waren sie aber durch die Stadt, so plünderten sie alle benachbarte Dörfer, und erschoßen einen Hirten-Jungen, der das Vieh wegtreiben wollte.
Den Kosacken folgten zwei Regimenter Husaren. Hierauf Dragoner, reitende Grenadier, und Küraßierer. Sodann ein großer Schwärm Kalmücken, unter welchen sich ein vernünftiger und guter Officier befand, der mit den am Thor stehenden Predigern und ändern lange Polnisch redete, und ihnen zum Schütze diente. — Nach diesen kamen wieder zwei Regimenter Husaren, viele Dragoner, Grenadier und Küraßierer; ferner einige nackte Kalmücken, die ein gräßliches Geschrei machten. — Ein Dragoner-Officier kam zu denen vor dem Thor stehenden Supplicanten, welcher mit ihnen lange Zeit lateinisch redete, da unterdeßen viele Regimenter vorbei marchirten. Nach 9 Uhr kam endlich deren Chef commandirende General von Liewen, welcher die Prediger, den Magistrat und alle andere ganz gnädig empfing, ihnen die Versicherung gab, daß er in der Stadt bleiben, und sie für die Kosacken schützen würde, auch zugleich andeutete, daß sie nach Hause gehen könnten, weil der Feld-Marchall von Apraxin erst morgen kommen werde.
Im Thor wurde dem Hospital-Prediger noch von einem Kosacken die Pique auf die Brust gesetzet, mit dem Bedeuten, daß er Geld verlange, worauf jener 4 Achtzehner herfürlangte, und ihn damit befriedigte.
Den 6. In der Nacht hauseten die Kosacken in allen um die Stadt liegenden Dörfern sehr übel, plünderten alles rein aus, nahmen Vieh und Pferde weg, und schlugen die Leute fast bis auf den Tod. — Die vorbenannten Personen giengen diesen Morgen wieder um 2 Uhr vors Thor. Die Rußische Armee war bald darauf zu sehen. Ein großer Schwärm Kalmücken marchirte voran, welchen verschiedene regulaire Regimenter folgten.
Nach einigen Stunden kam der General-Major von Weymar, welcher die Ihm entgegen gehende Herren ganz freundlich grüßte und frug: ob es in der Stadt noch wohl stände. Man antwortete Ihm: Ja, Gottlob. — Er sagte hierauf: Gottlob, das ist mir lieb zu hören. Auf den Dörfern haben die Kosacken und Kalmücken übel gewirtschaftet, solches kann ferner nicht gestattet werden. Wir haben Ordre, das Land aufs beste zu schonen.
Gegen 10 Uhr kam endlich der General-Feld-Marchall von Apraxin von vielen Generals und hohen Officiers begleitet. — Der Magistrat und die ändern Herren unterwarfen sich ihm, und baten um Gnade und Schutz, worauf selbiger ganz ernsthaft antwortete: so viel als möglich seyn wird. Hierauf ritte Er in die Stadt, und ein jeder begab sich nach Hause. — Bald darauf kam ein großer Zug von vielen großen und kleinen Kanonen, viele Wagens mit Geld und Bagage, auf welche das Regiment des Thronfolgers, das aus 3000 Mann bestand, und für das schönste gehalten wurde, folgte. Das Lager war gleich hinter der Stadt auf dem Sommerfelde, wodurch alle zu hoffende Früchte vernichtet wurden.
Nachmittag um 6 Uhr gingen sämtliche Prediger ins Lager, um wegen des morgenden Gottesdienstes zu fragen, ob selbiger, wie gewöhnlich, gehalten werden könnte. Der General-Major von Weymar stand vor dem Zelt des Feld-Marchalls, und redete mit dem Pfarrer aus Zirgupoenen (= Szirgupönen). Er wandte sich hierauf zu der Gumbinnschen Geistlichkeit und fragte selbige, was ihr Begehren wäre? — Sie antworteten: daß sie Ew. Excellence den Feld-Marchall von Apraxin unterthänig antreten, und anfragen wollten, ob sie den morgenden Gottesdienst, wie vorhin, verrichten könnten? Ferner, da die Trauer wegen des Todesfalles Ihro Majestät der Mutter des Königs von Preußen angefangen worden, ob man damit fortfahren sollte? — (Es mußte alle Tage eine Stunde geläutet und in den Kirchen keine Orgel gerühret werden.)
Sie baten drittens: daß wenn die Armee weiter fortrücken würde, ob es Ihro Excellence nicht gefällig seyn möchte, wegen der Grausamkeit der irregulairen Truppen, eine kleine Besatzung von regulairer Militz in der Stadt zu laßen.
Auf das erste antwortete der General-Major v. W.: daß in dem Gottesdienst keine Änderung geschehen würde, da die Religions-Freiheit in allen Rußischen Provinzen Statt fände. —
Wegen des zweiten glaubte Er, daß Sr. Exellence, der Herr Feld-Marchall kein Bedenken finden würde, die Trauer im Lande zu gestatten, da es eine hohe und verehrungswürdige Königinn gewesen, die mit dem Rußischen Hofe eine beständige Freundschaft unterhalten.
Für das dritte endlich wäre schon gesorgt, und würde der von Ihro Kaiserlichen Majestät bestallte Landes-Hauptmann von Litthauen mit einem Regiment Fuß-Völker in der Stadt bleiben.
Hierauf gieng Er ins Gezelt des Feld-Marchalls, von wo Er nach einer kleinen Weile zurück kam, und die den Predigern gegebene Antwort auf obige drei Punkte nochmals wiederhohlte. Er schien ganz bekümmert zu seyn, wegen der großen Aus¬schweifungen und Grausamkeiten der Kosacken und Kalmücken, Er tröstete auch die niedergeschlagenen Prediger mit der Versicherung, daß ihnen und der Stadt kein Leids widerfahren sollte. — Man kann auch gewiß glauben, daß dieser Herr einen rechten Abscheu gegen das Verfahren der Rußischen Armee gehabt habe; wie Er denn auch gegen verschiedene Leute sich vernehmen laßen: daß sie auf diese Weise eben nichts ausrichten, sondern sich vielmehr selbst aufreiben würden. Es war auch das Verfahren dieser Barbaren ganz entsetzlich. In allen Dörfern, wo sie nur hinkamen, wurden die Leute ganz nackt ausgezogen, und alsdann geprügelt und gemißhandelt. Alles suchte daher in den Wäldern Schutz, und in den Dörfern fand man nur hie und da, halbtodt geschlagene Menschen.
Als die Prediger aus dem Lager zurück kehren wollten, sagte der General-Major von Weymar noch zu ihnen, daß sie ihre Predigten so einrichten sollten, daß dadurch die Leute zur Huldigung Ihro Kaiserlichen Majestät, und zum Schwur, der ihnen morgen sollte abgenommen werden, vorbereitet würden. Es sollten auch zu dem Ende die reformierten und der Hospital-Prediger mit ihren Zuhörern in die Lutherische Stadt-Kirche kommen, um den Eid der Treue zu leisten.
Den 7. Dies war der traurige Tag, an welchem unsere arme Stadt den Eid der Treue der Russischen Kaiserin leisten mußte. Frühe des Morgens wurden den Predigern einige gedruckte Edicte und geschriebene Verordnungen zugeschicket, die von den Kanzeln öffentlich abgelesen werden sollten.
Als der Gottesdienst geendigt war, und die Prediger und Zuhörer aus der reformierten Kirche und Hospital sich in der lutherischen Kirche eingefunden hatten, wurde durch den Obristen Gersdorff der Eid laut abgelesen, welchen ein Jeder mit aufgehobenen Fingern nachsprechen mußte.
Den Predigern wurde auch befohlen, das Kirchengebet zu ändern, und für die Kaiserin aller Reußen, für die Kaiserliche Familie, und für den glücklichen Fortgang ihrer Waffen zu beten.
Den 8. Heute gegen Mittag war unter den rußischen Generals und Officieren, die in der Stadt waren, eine große Unruhe und Bestürzung zu spüren. Um 11 Uhr setzte sich der Feld-Marchall von Apraxin zu Pferde, welchem der General Liewen und andere schleunigst folgten. Das Gezelte des Feld-Marchalls wurde abgebrochen, und das Regiment des Großfürsten folgte auf das geschwindeste. Bald darauf erfuhr man, daß ein sehr heftiges Scharmützel, ohngefähr zwei Meilen von der Stadt, im Piecz-kiem'schen (= Pötschkehmen bei Gerwischkehmen) Walde vorgefallen wäre. Die Rußische Avant-Garde war aufgebrochen, und sollte auf Insterburg marchiren. Zwei oder drei Esquadron Preußischer Husaren unter dem Obristen Malachowski trafen auf dieselbe im Walde, und richteten eine entsetzliche Massacre unter ihnen an. — Wie viel Todten die Rußen gehabt haben, hat man nie recht erfahren können. Den folgenden Tag aber wurden sehr viele Bleßirte in die Stadt gebracht, und auf der Neustadt verlegt. Die Zahl derselben kann man nicht eigentlich bestimmen, so viel aber ist gewiß, daß über 800 Bleßirte und Kranke in der Stadt gewesen, von welchen viele der schlechten Pflege wegen gestorben sind. — Dieses Scharmützel hemmete auch die Prahlereien der Rußischen Officiere sehr, die nun gestanden, daß die Preußen kühne Soldaten wären, welche zu überwinden viel Blut kosten würde.
Des Nachmittags geschahen scharfe Executiones. Zwei Litthauer aus dem Dorfe Mikkutelen, ohnweit Kattenau, wurden gehängt. Man beschuldigte sie, daß sie einen verwundeten Rußischen Dragoner auf dem Heuboden getödtet, und hernach heruntergeworfen hätten. Diese armen Leute leugneten das erstere beständig, und erlangten nur so viel Gnade, daß die Prediger zu ihnen gelaßen wurden, die sie zum Tode zubereiteten. Sie starben getrosten Muthes; ihre Körper mußten am Galgen hängen bleiben.
Auf dem Markt in der Stadt bekamen 10 Kosacken die Knute, jeder 30 Hiebe, worauf ihnen die Nasen aufgeritzt wurden. Zween wurden die Ohren und Nasen abgeschnitten, und sie sodann mit den übrigen fortgebracht. Die Ursache ihrer Bestrafung war, weil sie den von den Rußen eingesetzten Amtsinspektor Dresler in Zirgupoenen (Szirgupönen) grausam gemißhandelt und geplündert hatten. Es kann auch seyn, daß der General-Major von Weymar dazu etwas beigetragen hat, um diese gottlose Leute zu schrecken, und sie vom Plündern abzuhalten, wie wohl sie nachhero noch grausamer gewesen sind. Damit aber keine Klagen über sie kommen möchten, so schlugen sie die Leute todt. An eben diesem Tage wurde auch Gerwißkiemen geplündert. Der Pfarrer (Gottfried Ulrich 1755—1808 zu seinem Tode in Gerwischkehmen) und Praecentor hatten sich zu rechter Zeit noch reteriert. Die Kirche wurde aufgebrochen, die Decken vom Altar und der Kanzel weggerißen, und der Boden durchwühlet, wiewohl sie keine Schätze fanden."
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